Ratgeber
Folgen bei ständigem......
Folgen bei ständigem Leinen- und Maulkorbzwang
Von Prof. Dr. Irene Stur, Institut für Tierzucht und Genetik an der Veterinärmedizinischen Universität Wien
Die Verpflichtung, einen Hund außerhalb des eigenen Wohnbereiches ausschließlich an der Leine und mit Maulkorb zu führen, mag auf den ersten Blick als sinnvolle Maßnahme im Rahmen der Gefahrenabwehr erscheinen. Es gibt aber eine Reihe von Argumenten aus dem Bereich des Tierschutzes aber auch der Gefahrenabwehr, die gegen eine solche Maßnahme im Rahmen der allgemeinen Prävention sprechen.
Leinenzwang
Ein ständiger Leinenzwang macht es dem Hund unmöglich, sein art- und im Einzelfall auch sein rassetypisches Bewegungsbedürfnis auszuleben. Eine Bewegung ausschliesslich an der Leine ist somit nicht als artgerechte Haltung anzusehen und stellt einen Verstoss gegen das Tierschutzgesetz dar.Durch die fehlende Befriedigung des Bewegungsbedürfnisses kommt es zu einem Sinken der Reizschwelle. Hunde, die sich ausschliesslich an der Leine bewegen dürfen, werden somit in jedem Fall gefährlicher als Hunde, die sich ausreichend bewegen können. Es ist daher damit zu rechnen, dass der Anteil von Bissvorfällen mit Hunden durch generellen Leinenzwang eher steigt als sinkt, wobei voraussichtlich in erster Linie Bissvorfälle in der eigenen Familie, die ja auch jetzt schon den grössten Anteil an Bissvorfällen ausmachen, gehäuft auftreten werden.
Die Aggressionsbereitschaft von Hunden, die an der Leine geführt werden, ist höher als bei frei laufenden Hunden. Dafür sind im wesentlichen zwei Ursachen verantwortlich.
1.) Hunde, die durch die Leine festgehalten werden, haben weniger Möglichkeit einer für den Hund bedrohlich erscheinenden Annäherung durch Menschen andere Hunde oder Objekte auszuweichen. Bei zu starker Annäherung kann es dadurch zu ansonsten vermeidbarer Verteidigungsaggression kommen.
2.) Hunde, die an der Leine geführt werden, fühlen sich durch den Besitzer am anderen Ende der Leine gestärkt.
Das kann im Einzelfall dazu führen, dass sie eine Auseinandersetzung mit einem anderen Hund, der sie ansonsten aus Gründen der Selbsterhaltung ausweichen würden, annehmen, was wiederum eine vermeidbare Gefahrensituation zur Folge hat.
Maulkorbzwang
Ein ständig getragener Maulkorb schränkt wesentliche physische und psychische Funktionskreise ein:
Thermoregulation:
ein Grossteil der Thermoregulation des Hundes findet über das Hecheln statt, durch das eine Luftbewegung im Bereich der vorderen Atemwege erzeugt wird, die zu einer Kühlung des Blutes in den stark durchbluteten Nasenhöhlen führt. Fehlende Möglichkeit zum Hecheln führt insbesondere in der warmen Jahreszeit zu einem Wärmestau, der insbesondere bei älteren Hunden oder bei Hunden mit einer bestehenden Erkrankung des Herz- Kreislaufsystems bis zum Tod führen kann.
Passform:
Bei nicht ideal passendem Beisskorb kommt es zu Druckstellen bzw. zu Scheuerverletzungen der Haut, die allenfalls das weitere Tragen eines Beisskorbes unmöglich machen und damit, bei strenger Auslegung des Beisskorbzwanges ein Ausführen des Hundes nicht mehr möglich erscheinen lassen. Beide Aspekte sind als Verstösse gegen das Tierschutzgesetz anzusehen
Verhaltensphysiologische Aspekte
Ein wichtiger Bestandteil der innerartlichen Kommunikation zwischen Hunden stellt die Mimik dar. Ein Maulkorb ist in diesem Sinn als eine Art Maske anzusehen, Hunde können gegenseitig ihre Mimik nicht mehr genau erkennen und daher auch nicht richtig interpretieren, was zu Missverständnissen zwischen Hunden und damit allenfalls wiederum zu vermeidbaren Konflikten führen kann.
Da eine sehr häufige Ursache von Verletzungen von Menschen durch Hunde das Eingreifen in eine Auseinandersetzung zwischen zwei Hunden ist, wird somit durch die Massnahme eines ständigen Maulkorbzwanges die von Hunden ausgehende Gefahr in diesem Bereich erhöht. Zudem ist damit ebenfalls ein Verstoss gegen das Tierschutzgesetz gegeben. Hunde erleben ihre Umwelt in erster Linie über ihren Geruchssinn; ihre Methode die Gerüche ihrer Umgebung aufzunehmen besteht im Erschnüffeln dieser Umgebung. Durch einen Maulkorb sind die Hunde massiv im Schnüffeln beeinträchtigt, was zu einer Reizverarmung führt und damit eine wesentliche Beeinträchtigung einer artgemässen Lebensqualität darstellt. Auch auf dieser Basis stellt somit ein genereller Maulkorbzwang einen Verstoss gegen das Tierschutzgesetz dar.
Leinenzwang in definierten Bereichen ist somit nur vertretbar, wenn genügend Plätze zur Verfügung stehen, an denen sich Hunde frei bewegen können.
Maulkorbzwang ist nur bei gesunden Hunden und zeitlich bzw. örtlich befristet vertretbar, ein genereller Maulkorbzwang im Einzelfall sollte wenn überhaupt nur als letzte Möglichkeit der Sicherung von tatsächlich als gefährlich erkannten Hunden eingesetzt werden und auch in diesen Fällen nur zeitlich befristet bis zur Absolvierung einer korrigierenden Ausbildung.
Fahren ohne Gurt
FAHREN OHNE GURT:JETZT WIRD'S AUCH FÜR HUNDE TEUER
Auch Hunde müssen im Auto angeschnallt sein. Denn verkehrsrechtlich gelten Tiere als Ladung und müssen nach der Straßenverkehrsordnung während der Fahrt gesichert sein. Sind sie es nicht, können sie bei einem Unfall mit großer Wucht durch den Innenraum fliegen und werden so für sich und andere zur Gefahr.
Die Polizei macht ihre Ankündigung wahr, verstärkt zu kontrollieren und Verstöße zu ahnden. Zwar liegt die Entscheidung, ob er einen Hund als ungesicherte Ladung ansieht, im Ermessen des einzelnen Beamten, doch schützt auch die unklare Gesetzeslage nicht vor Strafe. Verstöße werden mit einem Verwarnungsgeld von 20,00 bis 35,00 Euro bestraft. Bei einer Gefährdung durch ein nicht gesichertes Tier sind 50,00 Euro und drei Punkte in Flensburg fällig. Kommt es zu einem Unfall mit Personenschaden, drohen dem Fahrer sogar eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung und Fahrverbot. Außerdem ist der Versicherungsschutz gefährdet.
Verantwortungsbewusste Autofahrer werden ihr Tier während der Fahrt ohnehin sichern. Geeignete Gurte und Rückhaltesysteme gibt es im Fachhandel oder im Zubehör-Shop des Tierheims Süderstraße schon für wenig Geld. Die Preise für Gurtsysteme schwanken je nach Qualität und Ausführung zwischen 20,00 und 80,00 Euro. Im Kombi ist ein fest montiertes Trenngitter die beste Lösung.
Täglich werden in Deutschland von den fünf Millionen Hunden Hunderttausende ohne Gitter oder Gurt im Auto mitgenommen. Dabei kommt es nur selten zu Zwischenfällen, doch jeder ist einer zuviel. Deshalb appelliert der HTV an alle Hundehalter, ihre Tiere während der Fahrt zu sichern und sich so vor Schaden zu bewahren.
Zecken-Alarm: Hunde sind besonders gefährdet
Zecke - gemeiner Holzbock
Experten warnen vor der unbehandelt tödlich
verlaufenden Babesiose-Infektion
Die im Volksmund „Hundemalaria“ genannte Babesiose des Hundes ist weiter auf dem Vormarsch. Übertragen werden die Bakterien durch Auwaldzecken, die inzwischen aus ihrer Winterruhe erwacht sind und gierig auf Opfer lauern.
Der diesjährige Winter war zwar ungewöhnlich lang, aber insgesamt eher mild. Aufgrund der fehlenden zweistelligen Minusgrade werden somit Heerscharen von Zecken überlebt haben. Die winzigen Spinnentiere lauern nun im kniehohen Gras oder niedrigen Büschen auf ihre Opfer, die sie an deren Ausdünstungen erkennen. Bei unmittelbarem Kontakt mit dem Opfer lassen sie sich vom Halm oder Ast abstreifen und suchen eine warme Körperstelle mit möglichst dünner Haut. Dort stechen sie zu, saugen Blut und „spucken“ unverdauliche Blutbestandteile von Zeit zu Zeit in die Wunde zurück. Eine Blutmahlzeit kann so mehrere Tage andauern.
Tödlicher Stich
Für Hunde besonders gefährlich sind Auwaldzecken, erkennbar an den Punkten auf dem Rückenschild. Diese Zeckenart ist Zwischenwirt für Hunde-Babesien (Babesia canis canis), Einzeller, die als Parasiten die roten Blutkörperchen befallen. In der Regel erfolgt die Übertragung der Erreger zwei bis drei Tage nach dem initialen Zeckenstich durch das „Spucken“ der Zecke. Die ersten Symptome einer Infektion mit Hunde-Babesien treten nach etwa einer Woche auf. Laut Dr. Rolf Wilcken, Leiter der Abteilung Kleintiere der Tierklinik Hochmoor im westfälischen Gescher, gehören dazu ein gestörtes Allgemeinbefinden und Fieber, gefolgt von Fressunlust, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit. „Ein bis zwei Tage später kommt es aufgrund des Zerfalls der roten Blutkörperchen zu Blutarmut, Blutharnen und manchmal auch zu Gelbsucht“. Entzündungen der Maul- und Magenschleimhaut sowie der Muskulatur seien ebenfalls häufig. „Die akute Form der Hunde-Babesiose endet unbehandelt binnen weniger Tage mit dem Tod durch Atemnot, Blutarmut und Nierenversagen“, so Dr. Wilcken.
Nach jedem Spaziergang auf die Suche gehen
Philip McCreight, Leiter der Tierschutzorganisation TASSO e.V., rät allen Hundebesitzern, sofort nach einem Spaziergang im Grünen das Tier sorgfältig nach Zecken abzusuchen. „Entfernen sollte man die Schmarotzer mit einer speziellen Zeckenzange oder einem Zeckenhaken. Zur Not funktionieren auch Pinzette oder spitze Fingernägel.“ In jedem Fall sollte darauf geachtet werden, dass man die Zecke nicht zerquetscht, denn dann würden eventuell vorhandene Erreger unmittelbar in die Stichwunde gebracht werden. „Öl oder Nagellack sind tabu“, warnt McCreight. Die Zecke würde im Todeskampf ihren Mageninhalt in die Wunde entleeren und so eine Infektion beschleunigen. Auf die traditionell strittige Frage „Ziehen oder Drehen?“ hat Dr. Wilcken eine ganz einfache Antwort: „Wie man die Zecke aus der Haut befördert, ist völlig egal. Manchmal geht es mit Ziehen, manchmal mit Drehen leichter. Man sollte aber immer am Kopf und damit so nah wie möglich an der Einstichstelle ansetzen.“ Das Wichtigste sei eine möglichst schnelle Entfernung des Parasiten, ergänzt der Tierarzt. Denn dann wäre eine Infektion mit Hunde-Babesiose sehr unwahrscheinlich.
Quelle:Newsletter Tasso
Mit dem Hund in den Urlaub
Richtige Vorbereitung schützt
Im Gegensatz zu den meisten Katzen freut sich der Hund, wenn er im Urlaub mit dabei sein darf. Und das ist gut so, da er eher personen- als ortsbezogen ist wie die Katze. Dennoch bittet TASSO, Europas größtes Haustierzentralregister, Tierbesitzer einige Dinge vor Reiseantritt zu bedenken: Für Reisen in die Länder der Europäischen Union ist der blaue EU-Heimtierausweis und eine Chippung vorgeschrieben. Außerdem muss das Tier die notwendigen Schutzimpfungen, die auch nur einen gewissen Zeitraum zurückliegen dürfen, haben. Ist der Impfschutz abgelaufen, kann es passieren, dass man an der Grenze zurückgewiesen wird. Vor Reiseantritt also besser den Tierarzt fragen. Zum Schutz des Tieres ist es ratsam, während des ganzen Urlaubs die SOS-Halsbandplakette von TASSO ans Halsband zu machen und eine Telefonnummer vom Urlaubsort oder die Handynummer bei TASSO zu hinterlassen. Gerade im Ausland ist eine Rückvermittlung schwierig. Im Verlustfall kann so schnell gehandelt werden. Wenig bekannt ist, wie dramatisch sich die Wärmeentwicklung in einem geschlossenen Auto auf den Hund auswirken kann. Selbst bei nur 20 Grad Celsius heizt sich das Auto in der Sonne in wenigen Minuten so stark auf, dass es für den Vierbeiner lebensbedrohlich werden kann. Leider gibt es jedes Jahr viele tote Hunde aus Unwissenheit des Besitzers. Deswegen gilt: Den Hund im Sommer nie alleine im verschlossenen Auto lassen, auch nicht für wenige Minuten. Vor Reiseantritt ist es empfehlenswert, das Tier nicht zu füttern, aber immer frisches Wasser anzubieten. Genügend Pausen sollten nicht nur für den Hund selbstverständlich sein. Für gewisse Urlaubsgebiete, wie zum Beispiel Italien, sollte man sich mit seinem Tierarzt beraten, ob Präparate oder Halsbänder zur Abwehr der gefährlichen Sandmücke, angeraten sind. Diese Mückenart überträgt die sich auch bei uns ausbreitende Leishmaniose und ist bisher nicht heilbar. Philip McCreight, Leiter der Tierschutzorganisation TASSO warnt auch vor Reisen in einige Länder Europas. “So genannte Kampfhunde dürfen ohne internationale Zuchtpapiere in viele europäische Länder nicht einreisen. Leider ist es in vergangenen Jahren wohl gerade in Holland vermehrt zu Vorfällen gekommen, bei denen auch Mischlingshunde, die nur so aussahen, als seien sie Kampfhunde, von den dortigen Behörden beschlagnahmt worden sind. Da man im Zweifelsfall nur schon wegen der Sprachbarrieren keine Chance hat, seinen Hund zurück zu bekommen, sollte man Holland als Urlaubsland besser meiden, wenn der eigene Hund auch nur annähernd einem Kampfhund ähnelt.” empfiehlt McCreight zur Sicherheit.
Quelle: TASSO Newsletter
